Offener Unterricht

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Was heute als Offener Unterricht bezeichnet wird, kann in der Literatur auch Namen tragen wie z.B. Offene Schule, Projektarbeit, ganzheitlicher / problemorientierter / handlungsorientierter Unterricht. Alle diese Bezeichnungen beziehen sich auf gemeinsamen Merkmale oder Kernelemente.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Grundlagen

  • Die Selbstbestimmung des Schülers und die daraus folgende Differenzierung des Unterrichts
  • Die Selbsttätigkeit der Lernenden
  • Die Verbindung von Leben und Lernen
  • Die Tätigkeit des Lehrers als Helfer und Berater.

„Offenheit“ kann sich im Unterricht in dreierlei Hinsicht manifestieren; bezüglich

  1. inhaltlicher Offenheit: die Schüler wählen im Extremfall den Lernstoff selbst aus oder können im Normalfall bei der Auswahl mit entscheiden. Es erfolgt dadurch eine Öffnung für die Interessen der Schüler. Damit die Schüler Wahlmöglichkeiten beim Inhalt haben, muss ihnen der Lehrer Freiraum gewähren, d.h., er wird ihre Vorschläge aufnehmen bzw. von sich aus verschiedene Angebote machen;
  2. methodischer Offenheit: Schüler können Aktions-und Sozialformen wählen bzw. mitbestimmen;
  3. organisatorischer Offenheit: Diese kann sich in viererlei Hinsicht realisieren:
  • Die „Tisch-Ordnung“ des Klassenzimmers wird variabel verändert.
  • Die Schüler begeben sich an andere „Lern-Orte“ außerhalb der Schule (z.B. bei einem Projekt oder bei Erkundungen).
  • Die Schüler bestimmen die Lernzeit selbst (siehe Projekt oder Freiarbeit).
  • Die Schüler teilen eine gegebene Zeit frei ein und bestimmen das Lerntempo.

Unterrichtsformen wie z.B. Planarbeit, Freiarbeit, Metaplan, Stationenlernen, Projekt, projektorientierte Formen, Gruppenpuzzle, Rollenspiele, Planspiele/Simulationen verwirklichen die Kernelemente des Offenen Unterrichts

Im „Offenen Unterricht“ nimmt der Lehrer eher die Rolle des Lernarrangeurs und Lernhelfers ein. Statt des Lehrers übernimmt jetzt das Unterrichtsmaterial oder die Lernaufgabe die führende Rolle.

Offener Unterricht nach Falko Peschel

Falko Peschel stellt mit seinem 'Offenen Unterricht' eine andere Version vor. Dort übernehmen die Schüler selbst die führende Rolle in Bezug auf ihr Lernen. zu den genannten Dimensionen der 'Offenheit' kommt noch die soziale Offenheit und die persönliche Offenheit. Die methodische Offenheit und die organisatorische Offenheit werden deutlich weiter gafaßt.

  1. soziale Offenheit: Die Schüler bestimmen selbst über die Regeln und den Ablauf des Klassenlebens und über die Konsequenzen, die sich in Problemfällen ergeben.
  2. persönliche Offenheit: Die Schüler bestimmen selbst welche Werte und Prioritäten sie für ihr Leben wählen.
  3. methodische Offenheit: Die Schüler bestimmen auch, welchen methodischen Zugang sie wählen, um ein Thema zu bearbeiten.
  4. organisatorische Offenheit: Die Schüler bestimmen 'zeitlich': wann sie an einem Thema arbeiten, 'räumlich': wo sie an einem Thema arbeiten und 'kooperativ': mit wem sie an einem Thema arbeiten.

Peschel hat für jede Dimension mehrere Stufen der möglichen Öffnung entwickelt die es erlauben, den eigenen Unterricht bezüglich der praktizierten Offenheit einzuordnen und gleichzeitig auch Schritte zu überlegen, diese Offenheit auszuweiten.

Stärken und Schwächen offener Unterrichtsformen

Generelle Einschätzungen

  • Offener Unterricht hat seine Stärken dort, wo es um Motivation, Selbststeuerung, Teamfähigkeit von Schülern usw. geht.
  • Er hat im Vergleich zum lehrerzentrierten Klassen- und Frontalunterricht Schwächen beim Kenntniserwerb.
  • Gut motivierte, selbstsichere und/oder leistungsstarke Schüler profitieren von diesen Unterrichtsformen (Wohlbefinden und Leistung).
  • Für schlecht motivierte, ängstliche und/oder lernschwache Schüler gilt das Gegenteil. Diese profitieren von einem lehrergelenkten, eng geführten Unterricht.
  • Erfolgreicher Offener Unterricht erfordert
sorgfältige Planung durch den Lehrer,
Differenzierung und aktive Lernunterstützung
Aufgeschlossenheit der Schüler dieser Form des Unterrichts gegenüber.

Aussagen zum Kenntniserwerb nach Peschel

In Bezug auf den Kenntniserwerb kann Peschel mit anderen Formen der Leistungsmessung belegen, dass diese Form des selbständigen Lernens für Schüler - insbesondere auch für lernschwache Schüler - von erheblichem Vorteil ist. Die Aussage oben über den lehrgelenkten, eng geführten Unterricht ist damit widerlegt. Er belegt das sowohl für den Bereich Lesen/Rechtschreiben als auch für den Mathematikbereich eine überdurchschnittliche Lernleistung für Kinder unterschiedlicher Lernstärken. Es bedarf auch keiner Schüler, die diese Form des Unterrichts irgendwie besonders positiv aufgeschlossen gegenüberstehen, denn der Unterricht nutzt konsequent die Interessen der Schüler und erreicht so ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler bei der Arbeit. Der Unterricht akzeptiert ebenso konsequent die individuelle Leistungsfähigkeit (jeder bestimmt sein eigenes Lerntempo und seinen eigenen Arbeitsstil) der Kinder. Der Unterricht erfordert weniger fachliche Planung als ein von den Kindern als hilfreiches Unterstützen wahrgenommene Zuwendung des Lehrer. Statt ihnen 'zu zeigen, wie es richtig geht', geht es darum sie anzuleiten, selbst Schritte und Wege zu finden, um herauszufinden, wie sie ihre Arbeitsschwierigkeit bewältigen können.

Methoden im Offenen Unterricht

"Herzlich willkommen auf den Onlineseiten zur Einführung in offene Unterrichtsmethoden mit fachpraktischen Beispielen von Susanne Lin-Klitzing und Melanie Katja Stumpf. Es stehen folgende Seminare zur Auswahl:
Offene Unterrichtsmethoden 1 (Methodischer Ideenpool für die Schule)
Offene Unterrichtsmethoden 2 (Methodischer Ideenpool für die Schule)"

Literatur

  • Peschel, Falko: Offener Unterricht in der Evaluation, Band I und II, Hohengehren, 2006 (2. Auflage), Schneiderverlag
Bovet/Huwendiek (Hrsg.): Leitfaden Schulpraxis. Cornelsen; Berlin 2000. S. 73 - 91, Kapitel "Offener Unterricht" (Edel, N.)
Peterßen, W.H.: Kleines Methoden-Lexikon. Oldenbourg; München 1999.

Bewertung im Offenen Unterricht

sehr empfehlenswert

  • Thorsten Bohl, Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht, 2. Auflage Beltz Verlag 2004 SBN 3-407-25298-6
Aus dem Inhalt: Leitbilder des offenen Unterrichts · Ergebnisse der empirischen Forschung · Begründung einer veränderten Bewertung · Leistungsbewertung bei bekannten Reformpädagogen (z.B. C. Freinet) · Diagnostische Grundlagen · Gütekriterien · Methodisch-didaktische Aspekte · zahlreiche Beispiele · Gestaltung von Zeugnissen · Portfolio
  • Grunder, H.-U., Bohl, T. Neue Formen der Leistungsbeurteilung in den Sekundarstufen I und II , Schneider Verlag Hohengehren, 2001
  • Praxis Deutsch 155, Mai 1999 Bewerten und Benoten im Offenen Unterricht

Weblinks

Siehe auch